Marktgeschehen

10.000 statt 15.000 Euro: Grenze für anonyme Edelmetallkäufe wird gesenkt

Geschrieben von Sebastian Wieschowski

In den vergangenen Jahren wurde immer wieder eine Absenkung der Grenze für anonyme Edelmetallkäufe diskutiert. Bislang kam es nicht zu diesem Schritt, doch nun ist es soweit: Bis zum 26. Juni 2017 müssen Edelmetallhändler in Deutschland eine EU-Vorgabe umsetzen, die es in sich hat: Künftig werden anonyme Edelmetallgeschäfte nur noch bis zu einer Grenze von 10.000 Euro möglich sein, vorher waren es 15.000 Euro.

Was auf den ersten Blick nach einer geringen Senkung aussieht, hat für Edelmetall-Investoren drastische Auswirkungen: 10.000 Euro entsprechen in Gold etwa zwei Hundert-Gramm-Barren oder acht Unzen. Bei der bisher noch geltenden Grenze von 15.000 Euro dürften Edelmetallkäufer vier Barren oder 12 Unzen Gold kaufen. Der beliebte 250-Gramm-Barren, der insbesondere von finanzkräftigen Investoren begehrt ist, liegt oberhalb der 10.000-Euro-Marke und wäre künftig nicht mehr anonym zu bekommen.

Mit der jüngsten Einschränkung setzt sich ein Trend vor, der lange Zeit in Deutschland für unmöglich erachtet wurde: Die schrittweise Einschränkung von Bargeldtransaktionen nimmt immer deutlichere Formen an. Zuletzt hat die Abschaffung des 500-Euro-Scheins für Empörung gesorgt. Denn damals wie auch jetzt bei der Absenkung der Bargeldgrenze wird vor allem die Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung ins Feld geführt. Es ist jedoch anzunehmen, dass kaum einer der Menschen, die seit Jahren regelmäßig zum Edelmetallhändler gehen und ihr Geld gegen Gold tauschen, etwas mit diesen Problemen zu tun hat.

Wenn die Grenze für anonyme Bargeldzahlungen von 15.000 auf 10.000 Euro gesenkt wird, müssen Kunden oberhalb dieser Grenze ihren Personalausweis kopieren und ihre Daten aufnehmen lassen. Während die Änderung die meisten Anleger völlig überraschend trifft, wurde hinter den Kulissen schon länger gearbeitet: Am 15. Dezember 2016 wurde erstmals ein Referentenentwurf des Bundesfinanzministeriums veröffentlicht. Mit diesem Papier soll die Vierte EU-Geldwäscherichtlinie in deutsches Recht überführt werden. Und der Entwurf hat es in sich: Hohe Bargeldzahlungen, so zu lesen, böten ein Risiko von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung. Um diesen Machenschaften einen Riegel vorzuschieben, sollen Edelmetallhändler künftig höhere “geldwäscherechtliche Sorgfaltspflichten” erfüllen.

Im Zuge der Änderung ist eine hitzige Debatte entbrannt. Edelmetallhändler sehen sich genötigt, darauf hinzuweisen, dass sie seit Jahren die geltenden Gesetze einhalten und sich nicht als Umschlagplatz für schmutziges Geld verstehen. Fakt ist: Bislang war es Teil der individuellen Freiheit jedes Einzelnen, sich Gold anonym zu kaufen. Immerhin herrscht eine breite Skepsis gegenüber der Geldpolitik der Notenbanken sowie der Spitzenpolitiker in Brüssel und Berlin. Doch die Politik reagiert mit weiteren Repressalien. Es ist zu befürchten, dass Politikverdrossenheit und Edelmetall-Transaktionen unterhalb des staatlichen Radars, beispielsweise in Internetauktionen oder auf privaten Handelsplätzen, zunehmen werden.

Mit einer Bargeldgrenze von 10.000 Euro geht es den Deutschen jedoch noch vergleichsweise gut – andere EU-Staaten zeigen auf, wohin die Reise geht: Frankreich hat seine Bargeldgrenze von 3.000 auf 1.000 Euro gesenkt. Und anderswo gehen die Machthaber noch rigider mit den Freiheitsrechten ihrer Bürger um. Das bedauerliche Paradebeispiel: Der indische Premierminister hat im Dezember 2016 praktisch über Nacht große Geldscheine für ungültig erklärt – und mit “Groß” sind Beträge von mehr als 1,40 Euro gemeint. Das Arsenal der staatlichen Repressionen reicht über Beschränkungen bei Bargeld-Abhebungen (maximal275 Euro pro Woche)  oder der Pflicht, größere Beträge bis zum Jahresende auf Bankkonten einzuzahlen.

Es ist anzunehmen, dass in den nächsten Wochen viele Anleger die letzten Gelegenheit nutzen, im Rahmen des so genannten “Tafelgeschäfts” im Wert von 15.000 Euro einzukaufen. Es wird das letzte Mal sein, dass sie dabei ihren Personalausweis in der Hosentasche lassen dürften.

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Sebastian Wieschowski

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