Bullionmünzen

Fingernagel-Styling und Fidschi-Silbermünzen – nehmt die nächste Generation der Numismatik ernst

Geschrieben von Sebastian Wieschowski

Eine prächtig gestaltete Silber-Unze von den Fidschi-Inseln, geringe Auflage, exzellente Verarbeitung, höchste Prägequalität, bei vielen Händlern schon ausverkauft – wer sich eine solche Münze zulegt, muss Ahnung haben und ein Gespür für seltene Sammlerschätze. Vor ein paar Tagen verkaufte ich diese Münze bei Facebook – und die junge Dame, welche sich die Silbermünze sicherte, ist ein gutes Beispiel dafür, dass Münzensammeln kein aussterbendes Hobby ist.

Sie sah auf den ersten Blick sicher nicht wie die typische Münzensammlerin aus, teilt bei Facebook gelegentlich Fotos von ihren neu gestalteten Fingernägeln oder liebevolle Kommentare rund um ihre beiden Kinder – so wie es die Angehörigen der Internet-Generation eben tun.

Und diese junge Frau ist aus meiner Sicht das beste Beispiel dafür, dass der numismatische Nachwuchs das Hobby mit Interesse und Leidenschaft verfolgt. Die Münzensammler von morgen sehen so aus wie du und ich. Ihre Mediennutzungsgewohnheiten wandeln sich, ihre Sammelgebiete mögen nicht den altbekannten Klassikern entsprechen.

Aber wer die nächste Generation der Numismatik nicht ernst nimmt, begeht einen großen Fehler.

Rund um den Verkauf der Silber-Unze entwickelte sich ein kleines Gespräch, an das ich seitdem immer wieder denke. Auf die Frage, warum sie sich ausgerechnet exotische Silber-Unzen zulegt, begann die junge Frau zu erzählen. Sie will ihren Kindern etwas Nachhaltiges hinterlassen. Sie stöberte im Internet und stieß auf Seiten rund um Edelmetalle. Und sie verliebte sich in die kleinen Details. Ein grundsätzliches Interesse war vorhanden, weil sie bereits mit ihrem seit der Kindheit diverse Münzen gesammelt hat. Sie informierte sich über Silber-Münzen – und die Sammelleidenschaft ging wieder los: Die Geschichten dahinter faszinierten sie, sodass sie viel im Internet las und sich in Facebook-Gruppen auf den neuesten stand brachte. Und nun gibt die junge Frau das Hobby an ihre Kinder weiter.

Ich bin froh um Begegnungen wie diese, egal ob online oder offline. Denn seit Jahren höre ich immer wieder den gleichen Satz: „Münzensammeln ist tot.“ Doch auf den Münzenbörsen in ganz Deutschland beobachte ich einen völlig anderen Trend: Menschen aller Geschlechter, Altersgruppen und jeglicher sozialer Schichten drängeln sich um die Stände und sind auf der Suche nach Münzen, insbesondere aus Gold und Silber.

Wer in diesem Jahr auf der „World Money Fair“ versucht hat, sich durch die Gänge zu bewegen, hat mit eigenen Augen gesehen, dass Münzensammeln weiterhin ein lebendiges Hobby ist, welches in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist.

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Sebastian Wieschowski