Bullionmünzen

Wie entsteht eine Münze? Edelmetallhändler bietet seltene Einblicke

Geschrieben von Sebastian Wieschowski

Münzprägestätten werden normalerweise abgeschirmt wie Hochsicherheitsgefängnisse. Film- und Fotoaufnahmen sind streng verboten, Mitarbeiter werden täglich vor dem Eintritt in die heiligen Hallen überprüft. Doch das Interesse an der Herstellung einer Münze ist groß – viele Sammler und Anleger würden gern einmal mit eigenen Augen sehen, wie ihre goldenen Schätze entstehen.

Ein deutscher Edelmetallhändler bietet nun einen seltenen Einblick in die Geburtsstunde einer Münze: Dominik Kettner vom baden-württembergischen Edelmetallhändler “Kettner Edelmetalle” hat für seinen YouTube-Kanal eine sehenswerte Reportage erstellt, für die er in der Nähe von Leipzig aus einer Münzprägestätte berichtet. Denn hier wird die siebenteile Goldmünzenserie “African Safari” mit einer Mini-Auflage von nur 50 Stück hergestellt. Die Münzen stammen aus der afrikanischen Republik Tschad. Auf der ersten Ausgabe der Reihe ist eine prächtige Darstellung eines Löwen zu sehen.

In dem Video begleitet Dominik Kettner die einzelnen Schritte der Produktion. Es ist dem erfahrenen Edelmetallhändler anzumerken, dass auch für ihn diese Reportage etwas ganz Besonderes ist. Mit viel Enthusiasmus erläutert Kettner alle Schritte im Detail und allgemeinverständlich: Zuerst wird ein Goldstrang für die spätere Münzherstellung gezogen. Im oberen Bereich der Maschine befindet sich ein Goldtigel, in dem 21 Kilogramm Goldgranulat liegen – kleine Kügelchen, die zu einem langen Strang verarbeitet werden. Der Goldstrang bewegt sich langsam nach unten, er ist 15 Milimeter dick. Es dauert 20 Minuten, bis der Strang die richtige Länge erreicht hat. Im Tiegel herrschen 1250 Grad. Zwei wuchtige Anpressrollen ziehen den Strang langsam nach unten. Am Ende hat der Strang eine Länge von 1,5 Metern und einen Materialwert von etwa 775.000 Euro.

Nach der hohen Temperatur muss der Strang auskühlen, er wird danach mehrfach gewalzt mit einem Gewicht von einer Tonne. Der Strang muss insgesamt achtmal gewalzt werden, um von einer Dicke von 12 auf 4 Milimeter zusammengepresst zu werden. Bei jedem Pressvorgang wirkt das Material glatter, es glänzt immer mehr. Danach wird der Goldstrang in 1 Meter lange Stücke geteilt, er hat jetzt eine Dicke von 2,88 Milimetern. Die Stränge werden zur Stanze gebracht, wo die einzelnen Ronden entstehen. Die Ronden mit einem Gewicht von 5 Unzen haben einen Durchmesser 60 Millimeter. Gestanzt werden die Ronden in einer wuchtigen Maschine, neben der selbst der 1,80 Meter große Dominik Kettner klein scheint. Beim Stanzen ist Präzionsarbeit nötig, der Strang darf nicht zu dick und nicht zu dünn sein.

Nach dem Stanzen werden die einzelnen Ronden auf die Waage gelegt. Es gibt eine leichte Plus-Toleranz. Die Waage ist so sensibel, dass jeder Atemzug das Ergebnis verändern würde. Mit einem Zischen fällt die Ronde aus der Maschine. Die fertig gestanzten Ronden kommen in einen Glühofen, in dem eine Hitze von 700 Grad besteht. Nach einer halben Stunde werden die Ronden gewaschen. In der modernen Gold-Waschanlage befinden sich feine Kugeln, in denen die Ronden zwei Stunden lang gebadet werden. Dadurch werden die Ronden noch filigraner.

Nun sind die Ronden fertig für den Prägevorgang. Der Stempel wird in die Prägemaschine eingesetzt, die Ronden ein letztes Malgesäubert und ebenfalls eingelegt, der Stempel gereinigt und positioniert. Jede Münze wird dreimal geprägt, damit die Details und Glanzflächen besonders deutlich dargestellt werden. Zuletzt bekommt jede Münze eine Seriennummer mithilfe einer Diamantgravur. Diese Technik wird eingesetzt, damit kein Material verloren geht, stattdessen wird an der Stelle der Gravur das Material lediglich verdrängt. Danach ist die Münze fertig und wird in eine Kapsel gepackt und eine edle Holzbox mit Seriennummer und Zertifikat gelegt.

Die 14-minütige Dokumentation finden Sie hier:
https://www.youtube.com/watch?v=Y2lpxKlCxpU&t=629s

 

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Sebastian Wieschowski